Starkbier

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Starkbier - Stark im Geschmack

Den Begriff Starkbier hört man oft, aber was ist das eigentlich, ein Starkbier? Die offensichtliche (und richtige) Erklärung lautet: ein Bier mit vergleichsweise hohem Alkoholgehalt ab circa 6,5% Volumen Alkohol. Doch damit kratzt man gerade einmal an der Oberfläche dieser sehr vielfältigen Kategorie. Wodurch wird ein Bier stark, und wie beeinflusst es das Getränk? Wie wirkt sich diese Stärke geschmacklich aus? Welche Unterschiede gibt es zwischen den Starkbieren der verschiedenen Bierkulturen? Willkommen in der Welt der kraftvollen Genüsse!

Starkbier kaufen

Ein riesengroße Auswahl an Starkbieren warten auf Dich. Einige der interessantesten Starkbier Marken stehen im Onlineshop bereit. Das stärkste aller Starkbiere findest Du hier wahrscheinlich nicht, denn wir bieten ausschließlich Biere an, die auch hervorragend produziert sind und gleichzeitig einen interessanten Geschmack haben. Vergleiche Starkbiere aus den verschiedenen Ländern, wie Belgien, Deutschland oder auch England und komme den Geheimnissen der Braukultur auf die Schliche.

Das macht Bier hochprozentig - Stammwürze

Die erste Frage richtet sich natürlich nach der Alkoholmenge, welche die Grenze zwischen “normalem” Bier und Starkbier darstellt. Wo genau diese Grenze liegt, ist von der Gesetzgebung des jeweiligen Landes abhängig. In Deutschland liegt sie bei 16% Stammwürze. Damit ist der Starkbierstatus also streng genommen gar nicht vom Alkoholgehalt abhängig. Die Stammwürze verwirrt deutsche Biertrinker gern, da sie hierzulande meist nicht auf den Etiketten zu finden ist. In Tschechien z.B. ist das anders. Stammwürze lässt sich leichter akkurat messen als der Alkoholgehalt. Sie beschreibt, wieviel verwertbares Extrakt für die Gärung in der Brau-Würze ist. Alle Klarheiten beseitigt? Ohne Brauerjargon ausgedrückt: Die Hefe braucht für die Herstellung von Alkohol und Kohlensäure Nahrung in Form von vergärbarem Material, quasi Futter. Die Stammwürze drückt die in der Flüssigkeit vorhandene Menge von dieser gärfähigen Grundlage aus. Je mehr Nahrung die Hefe hat, desto stärker kann das Bier werden. Diese Nahrung der Hefe besteht vorwiegend aus Maltose-Zuckern aus dem Getreidemalz. Je mehr Malz der Brauer auf eine bestimmte Menge Flüssigkeit einsetzt, desto mehr kommt er in den Bereich der Starkbiere.

Deutsches Starkbier heißt Bockbier

16% Stammwürze schlagen sich für gewöhnlich in etwas unter 7%-Vol. Alkohol nieder. Wer diese Grenze erreicht, darf sein Bier Bockbier nennen. Der Begriff Bockbier ist in Deutschland gleichbedeutend mit Starkbier. Ab 18% Stammwürze spricht man von einem Doppelbock. Theoretisch gibt es auch Dreifachböcke, diese sind jedoch so selten, dass sich eine eigene Kategorie dafür kaum lohnt. Die gesamte Bockbierkategorie macht auf dem deutschen Biermarkt laut Angaben des Deutschen Brauer-Bundes weniger als ein Prozent des jährlichen Bierausstoßes aus. Tendenz allerdings steigend.

Deutsche Starkbierstile

Deutschland ist vor allem für seine untergärigen Böcke berühmt. Allen voran natürlich der Einbecker Ur-Bock als Reminiszenz an die Herkunft des Bockbierbegriffs, die Stadt Einbeck. Hier tummeln sich helle Maiböcke, dunkle Weihnachts- und Winterböcke, weltweit bekannte Doppelböcke wie der Paulaner Salvator oder der Andechser Doppelbock. Doch auch obergärige Bockbiere sind beliebt und bekannt: Helle und dunkle Weizenböcke wie das Weihenstephaner Vitus und das Schneider Tap 6 Mein Aventinus sowie Altbierböcke, genannt Sticke und Doppelsticke, sorgen bei Kennern für Zungenschnalzen.

Starkbier in anderen Ländern

Andere Länder - andere Sitten! Natürlich richtet sich das Bild eines Starkbieres nach den Trinkgewohnheiten eines Landes. In Deutschland unterscheiden wir daher in Leichtbier, Vollbier und Starkbier. Vollbiere stellen die breite Masse im Bereich rund um die 5%-Vol. Alkohol, mit ca. 1,5% Spielraum in jede Richtung. In England hingegen sind die üblichen Trinkbiere gerade in Pubs deutlich schwächer. Entsprechend gilt hier ein Bier, das die Fünfprozenthürde knackt, bereits als “Strong Ale”. In Belgien hingegen sind stärkere Biere weitaus verbreiteter. Um hier als ernsthaftes “bière forte” durchzugehen, muss man sich schon in der Region eines deutschen Doppelbocks bewegen.

Belgische Starkbiere

Vielleicht sollte an dieser Stelle erwähnt werden, dass es auch in Belgien gebraute Biere gibt, die nach deutscher Auffassung keine Starkbiere sind - Pilsener, Blonde, Witbier und viele Fruchtbiere sind hier zu erwähnen. Doch selbst ein typisches Blonde kann durchaus schon in den Bereich eines deutschen Bockbiers vordringen. Das berühmte Duvel (zu Deutsch: Teufel) schlägt mit 8,5%-Vol. zu Buche. Auch die vielen Abtei- und Klosterbiere, darunter auch die Trappistenbiere fallen allgemein sehr kräftig aus, die Bierstile Dubbel, Tripel und Quadrupel spielen dabei eine ähnliche Rolle wie in Deutschland Doppelbock, Dreifachbock und der (rein theoretische) Vierfachbock. Hinzu kommen Bierstile aus dem Grenzland zu Frankreich wie Bière de Garde und das noch stärkere Bière de Provision, und auch der Bierstil Saison, einst ein alkoholschwaches Bier, welches die Erntehelfer während der Feldarbeit nähren sollte, hat sich inzwischen bei über sechs Volumenprozenten eingependelt. Der Grund für die vielen Starkbiere ist, dass die belgische Bierkultur früher den Schritt weg von Bier als Nahrungsmittel und hin zu Bier als Genussmittel getan hat. Dieser Prozess findet momentan auch in Deutschland statt, und er hat einen ähnlichen Effekt.

Englische Starkbiere und amerikanische Starkbiere

Englisches und irisches Bier ist bekannt für geringen Alkoholgehalt. Ob es Pale Ale, Porter, Smooth Ale, Brown Ale, Stout, Red Ale oder Bitter ist, selten steht eine Fünf vor dem Komma. Dies hat mit den exorbitant hohen Steuern zu tun, die in Großbritannien und Irland entrichtet werden müssen. Dafür sind die Braumeister dieser Bierkultur über die Zeit sehr gut darin geworden, auch alkoholisch leichte Biere aromatisch dicht schmecken zu lassen. Old Ales, Strong Ales und Barley Wines sind die bekanntesten Vertreter der seltenen, englischen Starkbierstile und werden für gewöhnlich aus der Flasche getrunken.

Starbier und Craft Beer

Mit dem Aufkommen der Craft Beer-Kultur in den USA verschob sich das Gewicht jedoch wieder deutlich in Richtung Starkbier. Das India Pale Ale kehrte dadurch zu seiner ursprünglichen Stärke zurück, und auch das Imperial Stout als sein dunkler Bruder drehte die Schraube gehörig nach oben. In den USA haben reguläre Ales die Stärke deutscher Vollbiere und die Biersorten Double IPA und Triple IPA lassen deutlich ihre Stärke spielen.

Starkbier ist Genusskultur

Doch warum sehen wir in den letzten Jahrzehnten gleichzeitig eine Bewegung weg vom Massenkonsum von Bier und hin zu stärkeren Bieren? Ein Schelm, wer denkt es ginge darum, die mangelnde Masse mit mehr Umdrehungen auszugleichen. Tatsächlich geht es um Klasse statt Masse. “Drink less, but better!”, wie es Bier- und Whiskyautor Michael Jackson (nein, nicht der Sänger) nicht müde wurde zu predigen.
Aufgrund der höheren Getreidemalzmenge wirkt ein solches Bier gleichzeitig sättigender, fülliger, befriedigender. Entsprechend reicht eine kleine Flasche meist aus. In kleinen Schlücken genossen kann man eine kleine Flasch manchmal teilen. Hier findet sich eine Parallele zur Weinkultur. Schwere, rote Barriques brauchen auch Zeit, damit der Gaumen von den intensiven Noten nicht überfordert wird. Bei Starkbieren, die komplex, wie Wein, sind, setzt dieser Effekt bereits bei deutlich geringerem Alkoholgehalt ein.

Die besonderen Eigenschaften von Starkbier

Starkbier zeichnet sich nicht nur durch den höheren Alkoholgehalt aus, sondern punktet auch mit mehr Geschmack, höherer Haltbarkeit und der Unterstützung von angenehmer Körperwärme in der Kälte. 

Mehr Bier-Geschmack durch mehr Alkohol?

Alkohol ist wichtig für die Wahrnehmung des Biergeschmacks und unterstützt die Entfaltung unterschiedlichster Geschmacksnuancen in einem Bier. Dies suggeriert nun, dass Biere mit weniger Alkohol schlechter seien. Das ist natürlich nicht der Fall. Dennoch ist Alkohol ein Geschmacksträger. Mehr Alkohol im Bier bedeutet, der Brauer hat mehr Malz oder andere Rohstoffe eingesetzt. Das Bier wird intensiver, sowohl in der Süße als auch in anderen Geschmacksbereichen.
Wer ein leichtes Erfrischungsgetränk sucht, wählt entsprechend eher ein Bier aus dem unteren Alkoholbereich. Wer hingegen ein vielschichtiges, komplexes Geschmackserlebnis haben möchte, sucht sich oft Starkbier aus. Entdecke ausgeklügelten Biergeschmack, der bei jedem neuen Schluck vielfältige Aromen anbietet.

Starkbier wärmt

Meist wird Bier im Sommer als Erfrischungsgetränk gekauft. Starkbiere dageben sind besonders in der kalten Jahreszeit beliebt, weil der stärkere Alkohol auch von innen wärmt und so eignen sich Starkbiere besonder für das gemütliche Zusammensein am Kamin in der runde mit Freunden oder einfach zum Entspannen auf dem Sofa mit einem excellenten Bier bei kalten Außentemperaturen. Besonders zur Weihnachtszeit sind dann auch die würzigen Weihnachtsbiere besonders geschmacksreich von Weihnachtgewürzen.

Höhere Haltbarkeit von Starkbieren

Alkohol macht haltbar. Das ist allgemein bekannt. Daher sind es abseits der Sauerbiere vor allem die Starkbiere, die sich zum Einlagern eignen. So kommen denn auch fast alle Biere, die für Flaschengärung oder Holzfassausbau gewählt werden, aus dem Bereich der Starkbiere. Die teuersten Raritäten, die der Biermarkt zu bieten hat, sind fast ausschließlich Starkbiere, wie etwa das Trappistenbier Westvleteren 12. Da dieses kaum zu bekommen ist, empfehlen wir an dieser Stelle das fast rezeptgleiche Abt 12 von St. Bernardus. Imperial Stouts, Barley Wines, Quadrupel - sie alle halten Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, aufgrund ihrer Stärke.

Obergrenze für Starkbiere

Der Alkoholgehalt im Bier wird durch zwei Faktoren begrenzt: die Hefe und die verwendbare  Malzmenge. Letzteres ist ein technisches Problem: Ab einer gewissen Menge Malz im Kessel wird es ziemlich schwierig, die dann sehr zähe Flüssigkeit überhaupt noch effizient zu rühren und sicherzustellen, dass all der schöne Extrakt auch wirklich in Lösung geht. Das Säubern des Kessels hinterher ist auch kein Zuckerschlecken. Moderne Brauanlagen helfen hier natürlich.
Die Beschränkungen der Hefe hingegen lassen sich nicht so einfach umgehen. Sie ist ein Lebewesen, und als solches ist Alkohol ab einer gewissen Konzentration tödlich für die kleinen Sporen. Es ist durchaus ironisch, dass die Hefe selbst für die Produktion des Alkohols verantwortlich ist. Bestimmte Hochleistungshefen können Biere auf bis zu 18%-Vol. bringen, allgemein ist aber bei ungefähr 13%-Vol. Schluss.

Sehr hoher Alkohol durch Kaltdestillation - Eisbock

Einen Sonderfall stellen die Eisböcke dar. Bei dieser Methode wird ein fertiges Bier gefroren und anschließend das Eis abgeschöpft. Aufgrund der unterschiedlichen Gefriertemperatur von Alkohol und Wasser bleibt ein konzentriertes Bier zurück. Diesen Prozess nennt man Kaltdestillation. Auch dafür gibt es eine physikalische Grenze, die irgendwo zwischen 55 und 70 Volumenprozenten liegt. Hier sind sich die Rekordhalter noch nicht einig. Wer mehr dazu erfahren möchte, liest im Bereich Eisbock weiter.

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