Kräuter- und Gewürzbiere

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Kräuterbier und Gewürzbier

Kräuter- und Gewürzbier ist die vielleicht vielfältigste Bierkategorie überhaupt. Schließlich kann jedes Bier, egal ob hell oder dunkel, schlank oder schwer, gewürzt werden. Nimmt man dazu die Kombinationsmöglichkeiten mit einer schier endlosen Menge an Kräutern und Gewürzen aus aller Welt, so merkt man schnell, dass hier der Kreativität beim Bierbrauen kaum Grenzen gesetzt sind.  

Gewürzbier und Kräuterbier kaufen

Eine Vielzahl von Gewürzbieren und Kräuterbieren steht Dir im Onlineshop zur Verfügung. In dieser Bier-Kategorie findest Du Biere mit ausgeprägten Gewürz- oder Kräuterbeigaben. Kaufe und probiere die Biere mit Kräutern oder Gewürzen und stöbere in den anderen Bieren, denn oft ist bei einem Aroma von Koriander auch das Gewürz beim Brauen mit ins Bier gelangt. Erlebe die vielfältigsten Geschmacksvariationen im Bierbereich durch Kräuterbier und Gewürzbier.

Deutsches Reinheitsgebot für Bier enthielt ursprünglich auch Gewürze

Dennoch begegnen viele Bierfreunde in Deutschland Gewürzbier mit Skepsis. Das Reinheitgebot, welches noch immer die Gesetzgebung bezüglich der erlaubten Bierzutaten beeinflusst, hat die Verwendung von Gewürzen als Brauzutat verpönt gemacht. Ironischerweise erlaubte das Reinheitsgebot selbst über einen langen Zeitraum seines Bestehens hinweg die Verwendung vielerlei Gewürze, wie z.B. Koriander, Kümmel, Lorbeer, Salz und Wacholder. Wer dennoch zögert, Kräuter- und Gewürzbier zu probieren, dem sei gesagt: Hopfen ist auch nur eine Würzpflanze im Bier.

Kräuter und Gewürze im Bier haben eine lange Tradition

Hopfen ist seit langer, langer Zeit bekannt. Plinius der Ältere gab der Pflanze im Jahrhundert nach Christi Geburt den Namen "humulus lupulus", von Lateinisch "lupus" für Wolf, weil die Pflanze "wie ein Wolf die Weide anfällt". Doch beim Brauen, zu dieser Zeit bereits seit Jahrtausenden praktiziert, spielte der Hopfen zunächst keine großartige Rolle. Brauen war oft Frauensache, und Bier wurde als Lebensmittel betrachtet. Entsprechend mag man sich den großen Suppentopf auf der Feuerstelle vorstellen, in dem an einem Tag eben Suppe, am nächsten eben Bier gekocht wurde. Um ein schmackhaftes Ergebnis zu erzielen, wurde die "Getreidesuppe" natürlich ebenso mit den vorhandenen Kräutern und Gewürzen versehen wie die normale Suppe, und jede Familie hatte eigene Rezepte, jede Region eigene Würzmischungen.

Grut als Kräutermischung statt Hopfen

Grut ist eine Mischung aus Kräutern und Gewürzen, die letztlich die gleiche Funktion wie Hopfen heutzutage hatte. Sie sollte den Geschmack verbessern, haltbar machen, desinfizieren, bekömmlicher machen. Man nannte sie "Grut". Heutzutage verstehen viele Leute unter einem Grutbier ein Bier ohne Hopfen, doch das ist nur bedingt richtig. Es ist eben die Anwesenheit jener Gewürzmischung, nicht die Abwesenheit von Hopfen, die ein Grutbier ausmacht. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Hopfen je nach Gegend und klimatischen Bedingungen ein Teil der Grutmischung sein konnte. Nur eben nicht die einzige Würzpflanze im Brauvorgang.

Grutrezeptur

In der Grut fanden sich jede Menge Kräuter und Gewürze, wie wir sie auch heute in jeder Küche finden: Salz, Pfeffer, Kümmel, Kreuzkümmel, Koriander, Beifuß, Schafgarbe, Bohnenkraut, Anis, Wacholderbeeren, Lorbeer, Mädesüß, Rosmarin und viele weitere. Auch weniger unbedenkliche Kräuter wie Bilsenkraut, Wermut und Stechapfel sind aus historischen Rezepten nachgewiesen. Auf diese giftigen Zutaten stürzen sich gern jene, die das Reinheitsgebot eindimensional als die Rettung des Renaissance-Biertrinkers darstellen möchten. Doch man sollte dabei nicht außer Acht lassen, dass Bier teilweise Wasser ersetzte. Stets abgekocht und durch die Fermentation für Mikroorganismen abseits der Hefen nicht allzu empfänglich, diente es oftmals als Träger für medizinische Rezepturen. Die Dosis macht das Gift, und nicht jedes überlieferte Rezept mit giftigen Zutaten war für den Massenkonsum gedacht. Auch heute akzeptieren wir giftige Zutaten in geringen Mengen z.B. in Wermut (jetzt ist der Gewürzwein gemein, der nach dem Kraut benannt ist) und Absinth.

Zugabe von Gewürzen und Kräutern beim Brauen

Wann kommt das Gewürz ins Bier? Hier gibt es verschiedene Taktiken und Praktiken. Grundsätzlich kann man sich aber am Hopfen orientieren. Je mehr flüchtige Aromastoffe (sprich: ätherische Öle) man im Bier behalten möchte, desto später sollte man sie zum Bier geben. Gewürze, die auch beim Kochen in der Küche verwendet werden (Piment, Kümmel etc.), können auch beim Brauen bei der Kochung zugegeben werden, je nach gewünschter Intensität früher oder später. Es empfiehlt sich die Verwendung eines feinmaschigen, kochfähigen Beutels (quasi ein großer Teebeutel), um die Gewürzreste rückstandslos entfernen zu können. Frische Kräuter, Blüten und Beeren hingegen sollten eher im Kaltbereich, also bei der Gärung, zugegeben werden. Ausnahmen sind hier getrocknete Wacholderbeeren und Holunderbeeren. Letztere enthalten einen giftigen Stoff, der beim Kochen zerfällt.

Gewürzbier im heutigen Deutschland

Tatsächlich gibt es nur einen deutschen Gewürzbierstil, der sich relativ unverändert gehalten hat: die Leipziger Gose. Ursprünglich aus der Harzregion (Goslar) stammend, gelangte diese regionale Spezialität in der sächsischen Stadt zu Berühmtheit und war dank der Schankstuben am 'Bayrischen Bahnhof' und in der Gosenschenke 'Ohne Bedenken' auch nach dem Aufstieg der untergärigen Biere, wie Pils, Export und Co. , weiter gut im Verkauf. Leipziger Gose wird traditionell spontan vergoren, so wie belgische Lambics auch. Heute wird sie allerdings auch oft obergärig gebraut. Sie ist gewürzt mit Salz und Korianer. Auch die Berliner Weiße, ein verwandter Stil, wurde teils mit Salz gebraut, es ist jeoch nicht typisch für den Stil, weswegen die Berliner Weiße nicht zu den Gewürzbieren zählt. Der verwandte Bierstil, Lichtenhainer, heute ein wiederentdeckter alter Bierstil ist auch ein Gewürzbier, das nur noch in kleinen Auflagen von Craft Beer Brauereien hergestellt wird.

Gewürzbier in Belgien

Die Belgier hingegen haben alte Bier-Rezepturen weiter hergestellt. Dort werden viele traditionelle Bierstile mit Gewürzen und Kräutern gebraut. Allen voran wären da die Witbiere zu nennen. Belgische Weizenbiere werden üblicherweise mit Orangenschalen und Koriander gewürzt. Beides ist für den Laien kaum herauszuschmecken, die Gewürze unterstützen einfach nur die ohnehin schon fruchtig-frische und  sanft kräuterhaft-herbe Aromatik dieser wunderbaren Sommerbiere. Doch auch belgische Abteibiere und natürlich die Winterbiere enthalten Gewürzmischungen, deren genaue Zusammensetzung von den Brauereien oftmals eifersüchtig gehütet wird. Das berühmte, belgische Blond La Chouffe (das mit dem Zwerg) ist z.B. mit Koriander gewürzt und bei vielen deutschen Biertrinkern beliebt, ohne dass diese jemals davon gewusst hätten.

Kräuter- und Gewürzbier modern

Die Craft-Beer-Bewegung aus den USA hat sich inzwischen zu einem weltweiten Phänomen ausgeweitet und steht gleichzeitig für das Infragestellen von Tradition als auch ihre Wiederbelebung. Insofern ist es nur logisch, dass einerseits Grutbier wieder auferstehen würde, und dass andererseits sehr ausgefallene Bierideen ihren Weg in die 
Bierfässer und Bierflaschen finden würden. Die simple Frage: "Wenn Hopfen im Bier gut ist, warum sollen andere Kräuter und Gewürze schlecht sein?" fand schnell eine Antwort. "Botanicals" nennt man diese Zutaten, nicht nur bei Gin, und der Name verweist darauf hin, dass es sich ausschließlich um gewachsene Pflanzen handelt, die als Bier-Beigabe dienen. Natürlich sind Chili-Biere, Oregano-Biere und winterliche Zimt-Biere eher eine ausgefallene Biervariation, mit der ein paar Bierfreunde mit durch den ausgefallenen Geschmack glücklich gemacht werden können. Auch Gose, Lichtenhainer und Grutbier sind aus der Versenkung der Biergeschichte wieder aufgetaucht und erfreuen sich heute wachsender Beliebtheit. Neue Interpretationen dieser Stile und die allgemein wachsende Anerkennung von Sauerbieren sorgen dafür, dass diese einst weniger gut angesehenen Bierstile der Bierwelt nun wieder ihren verdienten Platz an der Sonne erhalten - wortwörtlich, denn gerade bei warmem Wetter sind die leichten, frischsäuerlichen Biere eine echte Wohltat.

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