Trappistenbier - Mit Genuss gesegnet

Trappistenbier - Mit Genuss gesegnet

Trappistenbiere sind weit über die Grenzen Belgiens hinaus bekannt, nahmen diese Bierspezialitäten doch weitreichend Einfluss auf die belgische Bierkultur allgemein. Weltweit zählen die Klassiker der Klosterbrauereien zu den besten Bieren und werden als Speisebegleiter zu aufwendigen Menüs gereicht, stehen jedoch auch für sich selbst als komplexe Genießerschlücke, die von Sammlern mit Begeisterung gesucht und gelagert werden.

Strenge Mönche - gutes Bier

Doch wer genau sind eigentlich diese ominösen Trappisten? Mit vollem Namen heißt der Mönchsorden "Zisterzienser der strengeren Observanz". Diese reformierten Zisterzienser, die sich im 17. Jahrhundert vom Ursprungsorden abspalteten, unterhalten weltweit Klöster für Mönche wie auch für Nonnen. Der Name "Trappisten" geht auf das Heimatkloster "La Grande Trappe" in der Normandie zurück - nicht zu verwechseln mit der Abtei und Trappistenbrauerei De Koningshoeven, welche unter dem Namen "La Trappe" Trappistenbiere in den Niederlanden produziert. Das Credo der Trappisten betont Abgeschiedenheit, Askese und körperliche Arbeit. Dies umfasst vor allem Feldarbeit, doch auch für ihre Käsereien sind viele Klöster berühmt. Da Flüssiges das Fasten nicht bricht, hat sich bei den Trappisten über die Jahrhunderte anolog zu deutschen Klöstern eine reichhaltige Braukultur entwickelt, die Klöstergärten brachten neben Heilkräutern auch Hopfen und andere Würzpflanzen in die Braukultur ein.

Flucht nach Belgien

Als Ende des 18. Jahrhunderts religionsfeindliche Dekrete im Zuge der französischen Revolution erlassen wurden, flüchteten viele Trappisten über die Grenze nach Belgien, in die Niederlanden oder die Alpenstaaten. Nachdem sich die Wirren gelegt hatten, kehrten viele zurück, doch manche blieben und begründeten so die Braukultur der Trappisten in Belgien.

Trappistenbrauereien zur heutigen Zeit

Momentan gibt es 11 von der International Trappist Association anerkannte Brauereien. Sechs davon befinden sich in Belgien:

1. Saint Remy de Rochefort - Brasserie Rochefort
2. Onze-Lieve-Vrouw van het Heilig Hart - Brouwerij Westmalle
3. Sint Sixtus Abdij - Brouwerij Westvleteren
4. Notre-Dame de Scourmont - Brasserie Chimay
5. Notre-Dame d'Orval - Brasserie Orval
6. Sint Benedictus De Achelse Kluis - Brouwerij Achel

Hinzu kommt das bereits erwähnte La Trappe in den Niederlanden. Des Weiteren wurden in jüngerer Vergangenheit weitere Trappistenbrauereien aufgenommen, eine davon ebenfalls in den Niederlanden, sowie jeweils eine in Österreich, Italien und den USA:

7. Lieve Vrouw van Koningshoeven - Brouwerij van Koningshoeven - La Trappe
8. Maria Toevlucht - Brouwerij Zundert
9. Stift Engelszell - Innviertel, Österreich
10. St. Joseph's Abbey, Massachusetts, USA - Spencer Brewery
11. Abbazia Tre Fontane - Rom, Italien

Um das Siegel "Authentisches Trappistenprodukt" für ihr Bier beanspruchen zu können, müssen die herstellenden Brauereien bestimmte Auflagen erfüllen:

1. Das Bier wird innerhalb der Grenzen eines Trappistenklosters hergestellt, entweder von den Mönchen selbst oder unter deren Aufsicht.
2. Der Brauereibetrieb ist dem Klosterleben untergeordnet, und die Geschäftspraktiken sind so, wie es sich für Mönche geziemt.
3. Das Biergeschäft finanziert sich selbst, den Lebensunterhalt der Mönche und die Instandhaltung der Klosteranlagen. Was übrig bleibt, kommt karitativen Zwecken zu.

Es sei erwähnt, dass es neben den Trappisten viele Klosterbrauereien gibt, die teils ähnliche Stile brauen, z.B. Affligem, Maredsous, Grimbergen. Da sie jedoch anderen Orden angehören oder nur lose mit Klöstern in Verbindung stehen, werden sie als belgische Abteibiere zusammengefasst, von den die Trappistenbrauereien eine Gruppierung darstellen.

Trappistenbierstile

Ulkigerweise ist das Basisbier der Mönche, das sogenannte Enkel (in etwa "Einzel") den meisten Bierfreunden nicht bekannt. Das liegt einfach daran, dass die Mönche es für gewöhnlich für den Eigengebrauch brauten, während die stärkeren Biere für den Verkauf vorgesehen waren. Dennoch gibt es inzwischen z.B. das Chimay Dorée, welches einem Enkel entspricht. Die Bezeichnungen der anderen Bierstile bezieht sich auf die verwendete Getreidemalzmenge im Vergleich zum Enkel, also die doppelte, dreifache oder vierfache Menge (Dubbel, Tripel, Quadrupel). In den letzten Jahrhunderten haben viele Trappistenbrauereien auch andere Bierstile der belgischen Bierkultur, wie etwa das Blonde oder Witbier (ein belgisches Weizenbier)

Probierempfehlungen

Westmalle Dubbel - der Ursprung dieses Bierstils und bis heute sein populärster Vertreter. Es gibt viele ausgezeichnete Dubbel, aber nur ein Original. Dunkel, reichhaltig, Noten von Trockenfrüchten und reifer Banane, gerösteten Nüssen und Brotkruste - echtes Flüssigbrot eben.

La Trappe Tripel - helle Bernsteinfarbe schimmert im Glas. Fruchtige, fast weinartige Noten und wärmende Karamellsüße ergänzen sich zu einem vielschichtigen Geschmackserlebnis, aufgelockert durch sprudelige Kohlensäure. Lecker!

Trappistes Rochefort 10 - Die flüssige Reliquie einer jeden Trappistenbrauerei ist das Quadrupel. Die Variante von Rochefort überzeugt mit Noten von reifen Pflaumen, Rosinen und schwarzer Johannisbeere. Rotweinartig schwer und komplex eignet sich dieses Bier auch zu jahrelangen Lagerung.

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