Die Kunst des Kribbelns - Biere aus Flaschengärung

Die Kunst des Kribbelns - Biere aus Flaschengärung

Seien wir doch mal ehrlich: Würde der Schampus nicht so lebhaft sprudeln, wir würden ihn nur halb so gern trinken. Dafür verantwortlich ist die "méthode champenois", also der Prozess der Flaschengärung und -reifung für die Schaumwein-Elite aus Frankreich. Weniger bekannt sind Biere aus Flaschengärung.  Mit ähnlich viel Liebe und Aufmerksamkeit hergestellt, zaubern auch sie dieses magische Kribbeln auf die Zunge. Neugierig geworden? Willkommen in der Welt der Flaschenreifung!


Die Geschichte der Flaschenreifung von Bier


Das Mittelalter brachte große Fortschritte in der Glasbläserei. Zuvor waren die luxuriösen Fläschchen edlen Ölen und Parfüms vorbehalten. Doch mit der verbreiteten Verfügbarkeit wanderten zunehmend auch Flüssigkeiten des täglichen Gebrauchs in das durchsichtige Medium. Wenngleich der direkte Ausschank vom Fass in den (Ton-, Zinn- oder Holz-)Krug noch lange Zeit den Normalzustand darstellte, lernten Brauer früh den Umgang mit dem zerbrechlichen Gut. Auch die schädlichen Auswirkungen zu starken Lichteinfalls waren bald bekannt, weswegen sich Grün- und vor allem Braunglas für Bier durchsetzten.
Als Bier in Flaschen schließlich zu einem üblichen Handelsgut wurde, stellte sich schnell die Frage der Haltbarkeit. In Zeiten vor Pasteurisierung und Filtration, vor Kühlschrank und Druckabfüllung, waren die Tage eines genießbaren Bieres schnell gezählt. Hopfenaromen und Licht vertragen sich nicht, starkes Bier bleibt lange genießbar. Diese beiden Leitsätze führten dazu, das viele Brauereien überwiegend starke und malzbetonte Biere in Flaschen füllten.


Jungbier abfüllen


Doch warum das Bier nicht unfertig abfüllen, damit es auf dem Weg reifen kann? Schließlich braucht Bier ohnehin drei bis sechs Wochen, manchmal länger, um zu gären. Der Nachteil waren die unsicheren Transportmethoden. Wo es rüttelt und schüttelt, die Temperatur schwankt, konnte man nur schwer beeinflussen, wie das Bier beim Kunden ankam. Was also tun, damit ein stabiles Bier dennoch mit lebhaftem Sprudel den Kunden erreicht? Genau, Nachgärung in der Flasche!

Die Hefe speisen


Eine kleine Menge Hefe in die Flasche, dazu eine kleine Menge vergärbaren Zucker in Form von Kandis, Honig oder normalem Zucker. Korken drauf. Fertig!
Nein, natürlich nicht. Denn auch eine Nachgärung in der Flasche will kontrolliert werden. Die optimale Temperatur für die normalerweise zur Flaschengärung verwendete, obergärige Hefe liegt bei 15-20°C. Daher mussten und müssen die Flaschen nach der Speisung nochmals in eine Wärmekammer, damit die Gärung losgehen kann. Sobald die größte Hefehektik vorüber ist, werden die Biere wieder gekühlt, die Hefe "eingeschläfert". Selbst wenn sie nun durch hohe Temperaturen und viel Geschüttel wieder aktiviert wird, sind oft nicht mehr genug Hefezellen in der Lage eine weitere Gärung anzustoßen. Die Biere reifen im Geschmack noch nach, je länger sie gelagert werden. Probiere die prickelnden, spritzigen und lebhaften Biere mit Flaschengärung.

Bierempfehlungen

 Deus - Brut des Flandres 

Wohl kein anderes Bier ist in seiner Herstellung so aufwändig wie das belgische Sektbier Deus Brut des Flandres und ein ganz besonderer Biergenuss abseits der üblichen Biergeschmäcker.

Liefmans Kriek Brut

Der fruchtig säuerliche Kirschduft dieses rotbraunen Spezialbieres lässt einem das Wasser im Mund zusammen laufen. Angenehmes Prickeln und starkes Kirschfruchtaroma stehen im Vordergrund. Trotz zarter Fruchtsüße eher trocken und im Abgang mit einer Nuance Mandelbitterkeit.

Kasteel Cuvée de Chateau

Kasteel Cuvée du Chateau ist ein belgisches Bier als komplexes, gereiftes Starkbier der Extraklasse als Quadrupel und ein Verschnitt aus den besten und gelagerten Jahrgängen der Kasteel Biere.

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