Etikettenkunde – Was bedeuten die Zahlen?

Bittereinheiten - International Bitterness Units (IBU)

 

Kleine Etikettenkunde – Was bedeuten die Zahlen auf den belgischen Bieren?

Für Bierfreunde aus Ländern, in denen für gewöhnlich der Alkoholgehalt auf den Bieren steht, ist die belgische Auszeichnung etwas verwirrend. So auch bei St. Bernardus: Pater 6, Prior 8, Abt 12? Ist das denn nicht die Alkoholangabe? Ein Blick aufs Etikett zeigt, dass dies nicht der Fall sein kann, denn der Alkohol ist ebenfalls ausgewiesen. Bei den genannten Bieren beträgt er 6,7%-Vol., 8,0%-Vol. und 10%-Vol., eine Übereinstimmung ergibt sich also nur beim Prior-Dubbel. 

Die belgische Einheit Grad beim Bier

Die Basis für diese Bezifferung ist das Belgische Grad. Damit ist keine Temperatur gemeint, sondern die Stammwürze. In Deutschland wird diese in Grad Plato gemessen und ist die Basis für unsere Biersteuer. Der Verbraucher weiß darüber gewöhnlich nicht viel, dennoch hat man womöglich schon gehört, dass der tatsächliche Alkoholgehalt um 0,5%-Vol. von dem ausgezeichneten Wert abweichen darf. Das liegt daran, dass man nicht genau vorhersehen kann, wie effizient die Hefe vergärt, und gerade kleinen Brauereien einfach die Laborausrüstung fehlt, das fertige Bier nochmals zu analysieren.

Stammwürze als Maßstab bei Bierzuordnungen

Die Stammwürze hingegen lässt sich durch das sogenannte Spindeln vor der Gärung recht leicht herausfinden. Sie beschreibt die Menge der Zuckerverbindungen im unvergorenen Bier (der Würze), welche die Hefe später in Alkohol und Kohlensäure umwandeln kann. In Tschechien wird Bier entsprechend der Grad Plato ausgewiesen, mit z.B. 11° oder 12° für ein Pilsener.
Die Belgier berechneten traditionell jedoch die Massendichte im Verhältnis zu Wasser, welche bei 1,0000 (lies:  Eins Komma Null usw., nicht etwa Zentausend) liegt. Bier weist dann je nach Stammwürzegehalt z.B. eine Dichte von 1,060 auf, was uns zum Pater 6 bringt. Abt 12 hätte demnach 1,120.

Heute bleiben die Zahlen im Etikett schlicht ein Teil des Biernamens

Um es richtig kompliziert zu machen, haben einige Brauereien die Rezepturen geändert, die traditionelle Bezeichnung jedoch beibehalten, weil sie inzwischen einfach Teil des Namens geworden waren. Wer also völlig sicher sein will, wie stark ein Trappistes Rochefort 10 nun wirklich ist, sollte nach wie vor die Alkoholangabe auf dem Etikett suchen. Und siehe da: 11,3%-Vol. Bloß gut, dass wir nachgeschaut haben.

 

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