Quadrupel – die Krönung der belgischen Bierkultur

Quadrupel – die Krönung der belgischen Bierkultur

Was sich anhört wie ein flämischer Begriff für rüpelhafte Quad-Fahrer, stellt tatsächlich das Aushängeschild vieler Traditionsbrauereien in Belgien dar. Denn anders als bei deutschem Bier sind es in Belgien nicht die Pilsener und andere Standard-Trinkbiere, über die sich eine Brauerei definiert, sondern oft die aufwendig gelagerten und in kleinen Mengen abgefüllten Starkbiere. Kenner jagen bestimmte Jahrgänge ebenso zielstrebig, wie man es vom Wein kennt, denn die Quadrupel lassen sich auch im eigenen Keller noch über Jahre ausbauen, so dass um einige Biere ein regelrechter Kult entstanden ist.

Vier Biere in einem

Der Begriff “Quadrupel” bezieht sich auf das “Enkel” (etwa: Einzel), das oftmals unbekannte Standardbier der Klosterbrauereien. Dort, genauer gesagt in den Trappistenklöstern des frühen 19. Jahrhunderts, entstanden nämlich die typischen Klosterbierstile Belgiens, als vor den Wirren der französischen Revolution geflüchtete Mönche nach Möglichkeiten suchten, ihr Auskommen zu sichern.
Das Enkel brauten sie damals oft für sich selbst. Die stärkeren Varianten, für den Verkauf gedacht, bezogen sich in ihrer Benennung jedoch darauf: Dubbel, Tripel & Quadrupel gaben die entsprechend erhöhte Malzmenge an, die zum Brauen verwendet wurde.

Das Quadrupel ist also ein Vierfachbockbier, wenn man so will. Entsprechend landen sie für gewöhnlich bei 9 bis 12 Volumenprozenten. Flaschengärung und hoher Alkoholgehalt machen die Biere lagerfähig, und oftmals haben sie, wenn sie in den Verkauf gelangen, schon Monate, wenn nicht Jahre, auf dem Buckel. Die richtige Reifung des Bieres in Gärbehälter und Flasche wird konstant von Meistern ihres Faches überprüft, vor der Abfüllung findet oftmals ein gekonnter Verschnitt aus verschiedenen Tanks oder Fässern statt, um die sensationelle Ausgewogenheit der Starkbiere sicherzustellen. 

Slow Beer – Quadrupel zum Essen

Entsprechend eignen sich Quadrupel nicht zum unbekümmerten Trinken nebenbei. Sie sind komplex, schwer, wärmend und anspruchsvoll. Ihr Aroma ist von Malz- und Hefenoten bestimmt, Hopfen spielt eine untergeordnete Rolle.
Daher eignen sie sich vortrefflich zu dunklen Fleischsorten wie Ente, Gans, Rind und Wild. Eine Boeuf Bourguignon passt zum Beispiel sehr gut. Auch reife Käsesorten harmonieren ausgezeichnet mit Quadrupel. Datteln oder Pflaumen im Speckmantel bringen die trockenfruchtartigen Noten im Bier hervor, während die Rauchigkeit weich in die Süße des Bieres fließt.
Desserttechnisch bieten sich allerlei Schokoladen an, und natürlich Trockenfrüchte.
Allgemein gilt: kräftige Biere brauchen kräftiges Essen, und Quadrupel gehören zu den stärksten Bieren, die die Bierwelt hervorgebracht hat.

Probierempfehlungen

St. Bernardus  Abt 12 – Als Erbe des ursprünglichen Westvleteren 12, das bis in die 90er hier gebraut wurde, darf das Bernardus-Quadrupel in keiner Aufzählung fehlen. Aromen von getrockneten Pflaumen, Feige, reifer Banane, Toffee und einem Hauch Bitterschokolade verschmelzen zu einem wohlbalancierten Ganzen. Zu Kaninchen und deftigen Aufläufen probieren!

La Trappe Quadrupel - Im Trappistenkloster Lieve Vrouw van Koningshoeven wird das einzige Trappistenbier auf niederländischem Boden hergestellt. Das Quadrupel der Brauerei fällt bernsteinfarben aus, und überzeugt mit Noten von Karamell, Banane, Vanille und Mandel. Reichhaltig und ausgewogen, bietet es eine sanfte Bitterkeit und leichte Röstnoten.

Gulden Draak 9000 Quadruple – Es müssen nicht immer Trappisten und Klöster sein. Die Brauerei Van Steenberge zeigt mit diesem sanft rötlich schimmernden Starkbier, dass der Goldene Drache es offenbar gut mit uns meint. Während der sekundären Gärung mit Rotweinhefe bereichert, erlangt das Gulden Draak 9000 eine ganz eigene Dimension, stark und doch unverschämt süffig. Tipp von Kubi's Point aus Berlin-Tegel, der sich sowohl mit Kuchen als auch mit Bier auskennt: Pflaumen in das Bier einlegen, und daraus dann einen Pflaumenkuchen machen.

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