Zeit für die Wies'n - Oktoberfestbier für zu Hause

Zeit für die Wies'n - Oktoberfestbier für zu Hause

Märzen, (Oktober-)Festbier, Wiesenbier - das Kindlein hat viele Namen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie nach dem klassischen Fassanstich und Ausruf "O'zapft is!" die Kehlen von Millionen von Durstigen beim größten Volksfest der Welt befeuchten - dem Oktoberfest. Ob im Festzelt oder draußen am Brathendl-Stand, ob in Dirndl oder Lederhosen, die Maß, das urige Literglas, muss voll mit tiefgolden glänzender Flüssigkeit sein. Aber was hat man da eigentlich drin?

Märzen - ein Bier zum Übersommern

Wenn es Überwintern gibt, muss es auch Übersommern geben, zumindest beim Bier. Denn in vorindustriellen Zeiten ohne Kühlmaschinen behalfen sich Brauer mit großen Eisblöcken. Diese wurden im Gebirge geschlagen und anschließend in die Gärkeller gebracht. Lager (auch untergärige Biere genannt), zu denen das Märzen gehört, bevorzugen nämlich kühle Temperaturen zwischen 4 und 10° Celsius. In diesem doch recht frischen Klima arbeiten untergärige Hefen besonders gern. Doch mit dem anbrechenden Sommer war es vorbei mit der Eiszeit. Vom Tag des Heiligen Georgs (23. April) bis zum Tag des Heiligen Michaels (29. September) durfte, auch aus Feuerschutzgründen, nicht gebraut werden. Die Zwischenzeit füllte - genau, das Märzen! Damit es die Sommerzeit auch überdauern konnte, wurde es ein wenig stärker eingebraut. Dennoch sollte es kein Starkbier sein, denn ein Solches mundet dem hochsommerlichen Biertrinker meist nicht allzu sehr. Heraus kam ein ursprünglich wohl recht dunkles Bier, das sich aber schnell auf den heute üblichen Bernsteinton einpendelte.

Oktoberfestbier - ein eigenständiger Stil?

Ein großes Volksfest zu Beginn der neuen Brausaison wäre natürlich eine geniale Idee, um bis dahin nicht getrunkenes Märzen noch loszuwerden. Da kam das Oktoberfest den Brauereien also gerade recht. Erstmals 1810 als Pferderennen zum Anlass der Hochzeit von Kronprinz Ludwig (Ludwig I nach seiner Krönung) und Prinzessin Therese auf der damals am Stadtrand Münchens gelegenen Theresienwiese veranstaltet, entwickelte es sich bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts zu dem Festzelt- und Rummelplatz, der es heute ist. Vor dem Verfall gerettet werden müssen Oktoberfestbiere heutzutage natürlich nicht mehr. Theoretisch könnte man sie das ganze Jahr lang brauen, und betrachtet man all die Märzen, Weihnachts- und Osterfestbiere, so ist das ja letzten Endes auch der Fall. Dennoch hat sich das Oktoberfestbier einen kleinen Schritt weit vom Märzen entfernt. Meist fällt es ein wenig heller und stärker aus, kratzt unter Umständen schon an der Grenze zum Bockbier. Süffigkeit ist dabei ein wichtiges Merkmal, denn der Liter darf nicht allzu lang im Glas verweilen, möchte man kein schales Bier riskieren. Es ist weniger hopfenbetont als ein Pilsener, jedoch spürbar kräftiger als dieses und würziger als ein Münchener Helles.

Oktoberfestbier als Speisebegleitung?

„Brathendl!“ wird der begeisterte Wies'ngast jetzt schreien, schließlich dient das Hähnchen vom Drehspieß den Meisten als Basis für den Maßtrunk. Tatsächlich verträgt sich das Märzen ausgezeichnet mit Gegrilltem und Gebackenem, wobei insgesamt das Schwein dem Geflügel jedoch den Rang abläuft. Egal ob Grillkotelett, Ofenschinken oder Spare Ribs – das angebräunte Fleisch erzeugt eine karamellhafte Süße, die in den Melanoidinaromen des Biers ihre Entsprechnung findet. Doch auch zu Pizza oder mexikanischer Küche eignen sich Märzen gut.

Probierempfehlungen

Augustiner Oktoberfestbier

– selbst in München nicht so ganz einfach zu bekommen, landet das Augustiner für die Wies'n am oberen Ende des Spektrums, denn mit 6,3%-Vol. ist es streng genommen schon ein Bockbier. Entsprechend fällt es kraftvoller aus als andere Märzen. Es ist goldgelb, mit breit gefächerter Malzaromatik zwischen Weißbrot, Brotkruste und sanften Karamell und Honignoten. Trocken und würzig, zeigen sich im Abgang kräuterhafte Hopfennoten.

Flötzinger Wies'n-Märzen

Die Wies'n, auf die sich der Name dieses Bieres bezieht, ist nicht die in München – denn in Deutschland dürfen nur Biere den Namen „Oktoberfest“ tragen, die auch dort ausgeschenkt werden. Doch auch die Rosenheimer Brauerei hat ein herbstliches Brauereifest, angeblich mit dem größten, frei aufbaubaren Festzelt Europas. Ebenfalls von recht heller Farbgebung, stellt es mit 5,8%-Vol. einen typsichen Vertreter des Stils dar. Gebraut mit traditionellen Hopfensorten aus der Hallertau und Tettnang ist es mildaromatisch und weich im Abgang. Ihr findet dieses Bier in unserem Ladengeschäft.

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